Es ist jetzt rund 40 Jahre her, dass ich das erste Mal etwas von Lappland gehört habe. Eine Gegend, in der es im Sommer immer hell ist – dafür im Winter fast immer dunkel. Die schiere Weite ist dort greifbar, dort wo der Himmel die Erde berührt. Die Natur ist unglaublich unmittelbar.
Mein Vater hat meinem Bruder und mir von Lappland erzählt, von seinen Erfahrungen und Erlebnissen, die er selber als 16-jähriger Schüler gemacht hat, was mittlerweile mehr als 60 Jahre her ist.
„Wenn Ihr mal 15 Jahre alt seid“ sagte mein Vater, „dann wandern wir mal im Schwarzwald, um uns auf eine Wanderung in Lappland vorzubereiten.“ – das hallte nach. Auch wenn diese Ansage bei meinen Vater im Laufe vieler Jahre und Erlebnisse etwas verhallte, so war sie doch immer irgenwie da. Und 2009 starteten wir dann tatsächlich zu einer Wanderung nach Lappland, auf dem berühmten Kungsleden. Wir flogen nach Stockholm, weiter mit dem Auto bis Jokkmokk und dann Saltoluokta (da wir keinerlei Erfahrung hatten, haben wir uns die längste und unbeqemste Art der Anreise ausgewählt…). Dort erwischte mich sofort das Lappland-Fieber. In Saltoluokta. Seitdem bei jedem unserer Aufenthalte in Lappland besucht.
Es war Herbst, September. Die Sonne schien zwischen Wolken durch, es regnete nicht, aber die Erde und Pflanzen waren satt vor Feuchtigkeit. Es duftete unbeschreiblich nach Wald, Laub, Erde, Moos. Und all das war gekleidet in warmes Herbstlicht der tief stehenden Sonne. So hat mich Lappland begrüßt und gefesselt.
Wir blieben eine Nacht in Saltoluokta, genossen das reichhaltige Abendessen – die Küche der Station ist bekannt und geschätzt für ausgefallene Gerichte – und am Morgen nahmen wir dann noch ein kräftiges Frühstück. Nachdem wir uns einige Tipps anderer Gäste angenommen hatten ging es also los, die Wanderung startet…
Bergauf über gut markierte Wege, über die Höhengrenze der krüppeligen Birken, hinauf auf’s Fjäll. hier zeigte sich mir das erste Mal die Weite, die ich an Lappland so liebe. Zwischen den Berggipfeln Lulep Gierkav zur Rechten und dem Sjäksö zur Linken öffnet sich ein Tal in dem ein kleines Sami-Fischerdorf und der langgezogene See Pietsaure liegt, der ans Ufer mündet wie ein kleines Meer mit kleinen Wellen.
Nach ca. 9km kamen wir vorbei an unserem Pausenstein zur ersten Nothütte auf diesem Abschnitt. Die Nothütten des STF (Schwedischer Tourismus Verband) liegen startegisch immer in etwa der Mitte einer langen Etappe des Kungsleden. Wir haben diese Hütte als Mittagspausenplatz genutzt.
nach erholsamer Rast brachen wir wieder auf und stellten fest, dass die Rucksäcke viel schwerer geworden sind und die Klamotten kalt und nass. Egal, es galt weitere 9km zu bezwingen – was wir schlussendlich schafften.
Ich möchte hier nicht verschweigen, dass der Kungsleden als Wanderweg sehr gut organisiert und ist und gepflegt wird. Jeder, der ein wenig Erfahrung hat kann hier problemlos ein paar Tage am Stück wandern. Wir hatten keine Erfahrung und dafür Schmerzen. Die fehlende Übung mit schweren Rucksäcken zu wandern machten wir mit dem Willen anzukommen wett. Am Abend – in wunderbarstem Herbstlicht – erreichten wir die Sitojaure Stuga. Wir hatten zwar vor, im Zelt zu schlafen, das tat mein Vater dann nicht und machte es sich in der Hütte bequem. Der Abend war kurz, mit Zeltaufbau, Essen, Vor- und Nachbereitungen ausgefüllt. Ein kleines Lagerfeuer sorgte dann für gemütliche Stimmung, bevor wir uns in unsere Schlafsäcke verkrümelten.
