Wandern im Fjäll – Erdung ohne Mobilfunk

Raus aus dem Alltag? Rein in die Natur? Etwas erleben und persönliche Grenzen kennenlernen? Das ganze aber nicht zu extrem und mit Anschluss an die Zivilisation? Das geht!

Wer es gerne menscheleer mag, eine grandiose, etwas raue Naturkulisse sucht, aber dennoch nicht auf eine gewisse Organisation verzichten möchte, der findet in Schwedisch-Lappland einen wunderbaren Ort dafür. Schon die Anreise kann ein Abenteuer sein, sowohl mit der Bahn, als auch mit Flugzeug. Ich kenne nur die Flugzeug-Variante, die ich bisher immer gewählt habe, um Zeit zu sparen. Das klappt nicht immer, wenn z.B. ein Flug verspätet startet und somit ein Anschlussflug verpasst wird. Daraus ergeben sich dann sehr interessante Gegebenheiten, wie ein gesponsorter Zwischenstopp in Stockholm und die bemühte Anstrengung den verlorenen Tag wieder aufzuholen.

Wer will kann natürlich auch mit dem Auto fahren, was die An- und Abreise in jedem Fall deutlich verlängert. Die Straßen werden ab Lulea recht einfach und die vorgegebenen Geschwindigkeitsangaben werden von selbst eingehalten. Zudem hat man bei einer Mehrtagestour das Problem nach der Tour wieder zu seinem Auto zu kommen.
Mit Busverbindungen klappt das , kostet aber auch wieder recht viel Zeit.

Aber zurück zum Thema Lappland. Ich bin dort auf einem Abschnitt des Kungsleden und des Padjelantaleden gewandert. Beide Touren im Herbst, bei angenehmen Temperaturen, wenig Regen und kaum Mücken. Die Landschaft färbt sich wie zum Abschied vor der Winterpause noch einmal prächtig in Rot-, Orange-, Gelb- und verblassenden Grüntönen. Die Wolken fügen sich am Himmel zu ständig wechslenden Bildern zusammen und geben so jedem Tag der Wanderung einen majestätischen Hintergrund.
Beim Start in gut markierte Etappen fällt sofort der Geruch nach Erde und Laub auf; nichts, was ihn trübt, nur natürliche Eindrücke. Wer ein wenig Erfahrung mit dem Wandern hat findet hier eine wunderbare Umgebung, mit Steigungen, Ebenen, Seen, die per Ruderboot überquert werden müssen, Hütten oder Zeltplätze zum Übernachten, und Natur ohne Ende.
Der schwedische Kungsleden ist ein Weitwanderweg, der jedem gerecht wird, der einen Rücksack mit wenigsten 15 kg tragen kann, und die nötige Ausdauer hat eine Etappe von bis zu 25 km an einem Tag zu gehen (die meisten Etappen sind kürzer). Wer sich davon frei machen möchte, nimmt ein Zelt und Verpflegung mit und kann so an jeder geeigneten Stelle sein Lager aufschlagen. Trinkwasser gibt es überall im Überfluss.
In Schweden gibt es ein altes Gewohnheitsrecht, das sogenannte Allemannsrätten. Das ermöglicht jedem, sich in der Natur aufzuhalten wo er möchte, so lange er gewisse Regeln einhält. Für jene, die lieber ein festes Dach über dem Kopf haben gibt es in gut zu bewältigenden Abständen Schutzhütten und teilweise auch bewirtschaftete Stationen. Die Schutzhütten sind mit Gaskochern und -heizung ausgestattet, mindestens aber mit einem Holzofen und einem guten Holzvorrat.

Egal für welche Etappe man sich entscheidet, immer ist die grandiose Naturkulisse das Bühnenbild, durch die eine Wanderung führt.