Ein Abenteuer muss her.

Der Gang zur Schlucht Áhusjgårsså war sehr schön, wir sind auch ein wenig ins Schwitzen gekommen; es fehlte aber bisher die Anstrengung, das Gefühl etwas geschafft zu haben. Es muss ein Abenteuer her. Drehpunkt diese Vorhabens ist der Gipfel des Lulep Kierkav.

Schon 2011 bin ich mit meinem Bruder dort oben gewesen. Es ist kein Bergsteigen aber auch kein Spaziergang. Dieses Mal wollen wir mit kompletter Ausrüstung dort hoch und die Nacht auf dem Berg verbringen. Das Wetter spielt auch dabei mit, es ist grau, bewölkt und je höher wir kommen auch windig.

Bevor es auf den Berg geht, machen wir noch einen kleinen Abstecher zur kleinen Sami-Siedlung mit ihrer schönen Kirchenkote. Beim Schleichen zwischen Kirche und Häusern stoßen wir auf Frau Spik mit der wir schnell ins Gespräch kommen.
Sie erzählt von Ihrem Leben im Sarek und Padjelanta, den Rentieren, Ihrer Kenntnis der Pflanzen und des Lebens in der Wildnis, und dass sie all das von Ihrem Vater gelernt hat, der auch die Kirchenkote gebaut hat.
Das ist ein kurze aber sehr intensive Begegnung; und sie verdeutlicht warum ich so gerne dort bin, in Lappland. Es ist das unmittelbare „in-der-Natur-sein“. So viele Dinge verlieren ihre Wichtigkeit in diesem einfachen Dasein und einfache Dinge werden wichtig.

Genug Philosophie. Wir verabschieden uns, sagen auf Wiedersehen und meinen das so.
Es geht also zum Berg. Wasser packen wir genug ein, denn oben auf den Plateaus gibt es im Herbst keins  mehr. Der Weg schlängelt sich durch einen verwunschenen Birkenwald, über ein paar kleine Bäche, vereinzelte Felsblöcke hinauf ins Fjell. Dort ist der Weg ausgesetzt und wird im Wesentlichen von Wanderern und Rentieren genutzt.
Wir gehen an der Ostflanke den Pfad hinauf, der erst direkt unterhalb des Bergs steil wird – für eine kurze Weile.

Ein wenig Klettern, ein paar steile Anstiege, dann kommen wir auf das Plateau, das uns als Zeltplatz geeignet scheint. Mittlerweile ist es später Nachmittag, es dämmert und genau jetzt setzt leichter Nieselregen ein. Ungemütlich.
Wir bauen schnell die Zelte auf, was auf dem felsigen Untergrund kniffelig ist aber gelingt. Dann kochen wir und beenden den Tag, windgeschützt in unseren Zelten, froh, dass die Schlafsäcke schön warm halten.

Der nächste Morgen ist frisch, in der Nacht hat es geregnet. Wir frühstücken, trinken Kaffee und machen uns dann auf zum Gipfel. Es ist ein recht kurzer Gang, ohne Gepäck sehr bequem zu gehen. Oben finden wir das alte Gipfelbuch in einer kleinen Kupferkassette. Unsere Einträge von 2011 sind noch darin zu finden. Das obligatorische Gipfelfoto wird gemacht, wir schreiben wieder einen Satz ins Buch und gehen dann zurück zu unseren Zelten.
Die sind schnell abgebaut, verstaut und es geht zurück nach Saltoluokta wo unser Vater auf uns wartet.

Den Rest dieses gemeinsamen Tages verbringen wir in der Sauna, essen im Restaurant der Station (hervorragend!), trinken guten Wein und gehen satt und zufrieden ins Bett/die Schlafsäcke.
Am nächsten Tag werden sich mein Bruder und der Wanderhund auf die Rücksreise begeben.

Hier noch ein paar „Abenteuer“-Fotos: